Kiel Baltic Hurricanes - The Greatest Show on Grass!

Deutscher Vizemeister 2008 + 2009

Erstes Training bei den Wild Hurricanes - oder - "Hilfe, mein Sohn will Flagfootball spielen"

Tatort: Kiel, Nordmarksportfeld
Tatzeit: August 2004
Täter: die Wild Hurricanes
Opfer: Mutti Sanne u. Sohn Lasse

Tathergang:

Seit seinem 6. Geburtstag hatte Lasse mich nun bekniet endlich zum Football zu gehen, was ich unter Angabe von fadenscheinigen Gründen auch immer wieder 4 Monate lang abwehren konnte (man ist ja schließlich eine total gestresste Mutter) Hauptaussage von mir war: „Ich weiß gar nicht wo dass stattfindet, aber ich kümmre mich darum.“ Als man(n) mir dann allerdings Trainingszeit- u. Ort vorlegte (verflucht sei das Internet) musste ich wohl oder übel in den sauren Apfel beißen. Also schnappte ich mir an einem sonnigen Sommertag meinen kleinen laufenden Meter und machte mich auf, keine Ahnung davon was Flagfootball ist (haben die da so Wimpel an den Seiten hängen oder was?). Was würde mich erwarten? (das sind bestimmt alles Prügelknaben).

Auf dem Platz angekommen waren auch schon die ersten Kids da, die ich eigentlich recht groß fand (ha – die wirklich großen kamen ja erst noch), wir warteten auf die Minis, aber anstatt kleiner wurden die Kinder immer größer, da keimte die Hoffnung auf, dass völlig falsche Training erwischt zu haben. Endlich kam mal jemand der wichtig aussah: ein anzugtragender glatzköpfiger Typ (bestimmt ein Papa – die sind immer kompetent) der Typ sagte mir und den beiden Müttern neben mir „Hallo“ u. verschwand – na gut dann warten wir eben noch. Als nächstes lief ein langhaariger Bombenleger auf (aus welchem Film ist der denn entsprungen, der hat wohl die Zeit verpennt), der sagte auch allen artig „Hallo“.
„Entschuldigen sie bitte, sind sie der Trainer?“ (müder Seitenblick: das heißt hier COACH).
OK!
Hej Coach: „Mein Sohn würde gerne Football spielen, wann fangen denn die Kleinen an?“. Als Antwort bekam ich erst ein breites Grinsen und dann: „Die Kids trainieren alle in einer Mannschaft im Alter von 6-15 Jahren.“
(klonk) – das war meine Kinnlade die gerade hart Richtung Boden gerauscht war. Jetzt bloß nix anmerken lassen und hübsch cool bleiben: „Ach so – na dann…“ In Wirklichkeit schossen mir tausend Gedanken durch den Kopf:
- Hilfe - mein armer kleiner Süßer
- den machen die hier platt
- der kriegt hier kein Bein an Deck
- da mach dich mal auf einen tollen neuen Wortschatz gefasst
- und jippie der Fall Football hat sich bestimmt bald erledigt.


Zu guter Letzt kamen noch ein mürrisch dreinblickender Typ (hilfe – den wollen die doch wohl nicht auf die Kinder loslassen, ist das Gesicht eingefroren oder hasst der Kinder?) und ein sauerkrautbärtiger in Schlabbershort`s steckender Typ (sag mal hat Mami dir nicht gesagt, dass man seine Hosen hochzieht?)
– WAS FÜR EIN HAUFEN!

Das Training ging los: eine Runde warm laufen um die Bäume (das packt mein Kleiner – ist ja schließlich ein Flitzer) und dann ein warm up mit kurzen Sprints und div. Dehnungsübungen, danach wurden die Kids in verschiedene Gruppen aufgeteilt, wo jeder gezielt nach seiner Veranlagung trainiert wurde (was mir natürlich zu dem Zeitpunkt noch nicht klar war) aber immerhin ich fand die ganze Geschichte recht interessant. Lasse kam zwar ein paar Mal angelaufen um sich trösten zu lassen, aber er hatte Spaß an der Sache, das merkte ich schnell. Jedes Mal wenn mein Kleiner ankam, kamen die mitleidigen Seitenblicke der beiden Mütter und die Frage von ihnen: „Na – ob der wohl nächste Woche wiederkommt.“ (PAH – Schnepfen Euch werde ich es schon zeigen) und so antwortete ich jedes Mal: „Na klar kommt der nächste Woche wieder,“ sicher war ich mir allerdings nicht. Nun wartete ich ja noch ganz gespannt auf Kraftausdrücke und Prügeleien (ha – dann hat sich der Fall endgültig erledigt, mein Sohni wird schließlich anständig erzogen), aber ich wurde eines besseren belehrt bzw. kam aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Hey - die Kinder können ja normal reden und das ganze ohne Kraftausdrücke (ich glaub die werden hier vorm Training alle hypnotisiert). Was mir allerdings am meisten imponierte war das Sozialverhalten: die Großen halfen den Kleinen beim Umbinden der Flags, feuerten sie an wenn mal was gut gelaufen war, oder trösteten sie wenn es mal nicht so klappte. So was hatte ich noch nie gesehen (die haben bestimmt alle eine Gehirnwäsche bekommen). Als nach zwei Stunden das Training zu Ende war, war ich ganz erstaunt. Mein Kind lebte noch, war glücklich und hatte keine neuen Kraftausdrücke gelernt (was besonders Mutti glücklich machte) und Lasse platze vor Stolz als wir zum Wagen gingen und die Großen (die waren wirklich groß!!) noch Aufwiedersehen sagten und ihn fragten ob er nächste Woche wieder käme – worauf Lasse nur mit seinen großen blauen Augen staunte u. heftig nickte. Auf dem Nachhauseweg wurde mir dann das Training noch mal haarklein erläutert (hey – ich war doch dabei) aber geduldig hörte ich mir alles an und versuchte seine Fragen zu beantworten (da muss jetzt erst mal Fachliteratur her), aber eines war schon zu diesem Zeitpunkt klar: ich würde ab jetzt 4 Stunden die Woche beim Training zubringen (arme Mutti – harte Zeiten brechen an).

Seit diesem Tag ist fast ein Jahr vergangen und aus meinem kleinen schüchternen laufendem Meter ist ein selbstbewusster kleiner Spieler geworden (nun platzt Mutti vor Stolz), ich bedaure nur, dass wir nicht schon viel früher zum Training gegangen sind. Diese Kinder sind etwas ganz besonderes, eine einmalige Truppe. Jeder Neue wird herzlich aufgenommen, egal ob dick, dünn, groß, klein, langsam oder schnell – es werden alle gebraucht (auch die Eltern!!!), alle zusammen sind wir die Canes-Family.

 

Autorin: Susanne Gänssler

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