Ein Rückblick auf die letzten Jahre
oder
Wie schnell man sein Herz verlieren kann
Diesen Artikel widme ich
dem großartigsten Team dieser Welt nämlich:
„meinen“ Jungs den Wild Canes
Die mir immer wieder aufs Neue zeigen, wie einfach das Leben manchmal sein kann und die mir mein „Kind sein“ bewahren!
und
Coach Boone
Von dem ich gelernt habe, dass es völlig egal ist was andere von dir denken,
Hauptsache man geht seinen Weg und bleibt sich dabei immer selber treu!
Wenn man seit drei Wochen einarmig eingegipst zu Hause rumhängt, schon alles mögliche ausprobiert hat, um die Zeit totzuschlagen, es nicht der Sinn des Tages sein kann, Email- u. Telefonterror zu betreiben…. Habe ich an diesem regnerisch trüben Tag beschlossen zu schreiben und einmal die letzten Jahre Revue passieren zu lassen. WARNUNG: Wer also, kein Gefühl mag, nicht lachen kann und sich sowieso immer altersgerecht verhält u. verlernt hat Kind zu sein, der sollte jetzt besser an dieser Stelle aufhören zu lesen. Für etwaige Schäden durch lesen dieses Artikels übernimmt die Autorin keinerlei Haftung!
Hätte mir vor vier Jahren jemand erzählt, was für Arbeit auf mich zukommt, hätte ich mich wahrscheinlich auf der Stelle umgedreht, wieder ins Auto gesetzt u. wäre bis ans andere Ende der Welt gefahren. Aber nein, es war natürlich keiner da, der mich warnte u. so setzte ich völlig ahnungslos (ich sag nur: „kleines Blondchen“) das erste Mal mit meinem Sohni den Fuß auf den Norder. Der war natürlich super aufgeregt u. fand das Ganze spannend u. war ratz fatz verschwunden. Ich dagegen traf als erstes auf Coach Boone, was ja an und für sich schon eine harte Bewährungsprobe ist, wenn man ihn nicht näher kennt. Ich dachte damals nur: „Wo haben sie den denn ausgegraben? Hat dem eigentlich schon mal jemand gesagt, dass wir das Jahr 2004 schreiben und nicht 1974???“ Was ich aber nach kurzer Zeit gelernt hatte, man darf einen Menschen niemals nach seinem Äußeren beurteilen (hat mir ja schon versucht mein Papa beizubringen, aber manchmal vergisst man es ja) denn da stand ein Mensch mit Herz auf dem Platz. Ich weiß nicht mehr was es damals war, ob es die Art war wie er mit den Kids umging, oder wie die Kids ihn anlachten u. ihre Späße mit ihm trieben u. dennoch Respekt vor ihm hatten. Jedenfalls hat es mich berührt, ich wusste nur noch nicht wie sehr. Das sollte sich aber schnell ändern.
Nach 4 Monaten wohnte ich dann meiner ersten Off-Season-Party bei. Hier Lektion Nr. 1: erzähle niemandem, dass du lesen, schreiben u. rechnen kannst, ansonsten muss man eine Liste abhaken u. Geld einsammeln. Weil ich das anscheinend erfolgreich bewerkstelligt hatte, wurde ich keine zwei Wochen später von Coach Boone dazu vergattert, die Mannschaftskasse einzusammeln. Lektion Nr. 2: an diesem Abend: Kids können Unmengen essen und trinken, ohne das ihnen schlecht wird. Inklusive meiner eigenen Kinder, die die Vermutung aufkommen ließen, sie würden zu Hause nichts zu essen bekommen, so haben sie reingehauen und es stellte sich mir damals die Frage wie der geringe Unkostenbeitrag, den ich dafür bezahlt hatte, dies alles decken konnte. Lektion Nr. 3: Footballer können auch Bowlen und sie tun dies nicht gerade leise. Noch Stunden später klingelten mir die Ohren. Lektion 4 an diesem Abend und die wohl wichtigste für mich persönlich: es gibt nichts Schöneres auf der Welt, als in strahlende, glückliche Gesichter von Kids zu sehen. Stunden später, als wir nach Hause fuhren und ich in das schlafende Gesicht meines damals sechsjährigen Sohnes sah, habe ich nie zuvor einen so glücklichen u. zufriedenen Gesichtsausdruck gesehen und das hat mich wirklich berührt. Noch Tage danach war diese Party Gesprächsthema Nr. 1 bei Lasse u. er hat sie bis heute nicht vergessen, denn nach jeder Off-Season-Party sagt er zu mir: „Weißt du noch damals unsere erste Party Mama….?“ „Jaaaa mein Sohn – wie könnte ich das jemals vergessen!“
Einen Monat später kam dann wohl der entscheidenste Moment in diesen Jahren. Nach einem Training wurde ich nämlich, in der Umkleide in einem Gespräch unter sechs Augen, klammheimlich, still und leise von dem damaligen Center Onno u. dem Qubi Torben und beide ihres Zeichens damals auch noch Teamcaptain, zur Team-Mama ernannt. Dass, das Team es einfach so akzeptiert hat und mich so aufgenommen hat, ist für mich das größte Geschenk geblieben und der für mich wichtigste Titel den ich jemals bekommen habe und daran hat sich bis heute nichts geändert.
Von stund an wurde alles anders. Ich sah meine eigenen Kids und diese Kids mit ganz anderen Augen. Ich lernte das erste Mal in meinem Leben, Kids richtig zuzuhören (und die haben jede Menge wichtiger Dinge zu sagen!) und ich lernte viel über Football. Obwohl ich die Jungs ja nach diesem Satz schon sagen höre: „Sanne, du lernst es nie…. !“ Mag angehen Jungs, dass ich es nie im Leben 100%ig verstehen werde, aber erstens habe ich schon viel Fachliteratur gewälzt und bin jetzt kein absoluter Volltrottel mehr (immerhin weiß ich schon, dass der Ball nicht rund ist u. das Spiel keine 90 Minuten dauert) und zweitens sind für mich nämlich andere Dinge viel wichtiger.
Es ist für mich wichtig, zu sehen wie ihr zusammenhaltet und euren stets ungebrochenen Kampfeswillen vor jedem Spiel zeigt. Wie einer für den anderen einsteht. Und dann diese ganzen kleinen Geschichten, die ich im Laufe der Jahre erlebt habe:
- als es normal wurde, dass ich als „Mädchen“ einfach in eure Umkleide komme, was für ein Gezeter am Anfang *grins*
- als ihr mich das erste Mal beim Pfingstgrillen, samt Klamotten, in den Seeverfrachtet habt,
- als ihr mir zum Förde Bowl die Haare grün eingesprüht habt,
- als wir zusammen zum ersten Mal ein Spiel der Sea Devils geguckt haben,
- als ich mein erstes Geburtstagsständchen von euch bekam, ihr singt wirklich schaurig schön,
- das Zelten am See, welches mich jedes Mal um Jahre altern lässt, ich es aber
um keinen Preis missen möchte,
- wenn der ein oder andere mich zur Begrüßung in den Arm nimmt,
- wenn ihr mir persönliche Dinge von euch erzählt,
- als ihr mir die erste Dusche nach einem gewonnen Spiel verpasst habt,
- das ich euch trösten durfte, als wir verloren haben,
- das ich mit euch aus einem Siegerpokal trinken durfte,
- als ihr mir die Rosen zum Geburtstag geschenkt habt,
- das ihr seht wenn es mir nicht gut geht und mich darauf ansprecht, das geht mitten ins Herz,
- als ihr mich auf den See entführt habt u. Lösegeld für mich von Coach Boone gefordert habt, was der natürlich nicht zahlen wollte, wobei hier wieder die Frage aufkommt: warum eigentlich nicht????
- wenn wir gefühlte tausendmal im Jahr zu Mc D., oder B.K. fahren *würg* aber dabei jede Menge Spaß haben, ich sag nur „tabledance“ *grins übers ganze gesicht*,
- das „fair play“ kein Fremdwort für euch ist,
- und wenn ihr Party auf einer Bustour macht .
Ich könnte noch endlos so weiter machen. Mal ganz zu schweigen von den zahllosen coolen Runs, Pässen, Touchdowns, Blocks, gezogene Flaggen usw. – ich kann wirklich bald ein Buch schreiben *grins ganz doll*. Jeder von diesem Team ist für mich etwas ganz besonderes. Es sind alles lauter „kleine“, unübersehbare Persönlichkeiten für die es sich lohnt da zu sein. Zum Glück bin ich ja nicht alleine und es gibt noch ein paar Eltern, die genauso denken.
Ganz egal wie viel Arbeit es manchmal ist und ich auch manchmal fluche und keinen Bock mehr habe, aber diese ganzen Kleinigkeiten machen es für mich aus. Wenn ich sehe, mit wie viel Begeisterung dieses Team an eine Sache rangeht u. Spaß hat, dann ist alles andere vergessen und ich bin neu motiviert. Diese kleinen, fiesen, hinterhältigen Röhrenwürmer haben sich einfach klammheimlich in mein Herz geschlichen und es Stück für Stück erobert.
Falls diesen Artikel jetzt jemand peinlich findet, dann hat er ihn nicht verstanden, was auch nicht weiter tragisch ist. Denn ich wollte diesen coolen Kids einfach nur mal DANKE für die letzten Jahre sagen! Ich weiß heute schon, dass diese Zeit mit zu der Geilsten meines Lebens zählen wird und die ich garantiert nie vergessen werde.
Ich wünsche diesem coolen Team allen erdenklichen Erfolg für die Season 2008 und wenn es nicht ganz so erfolgreich werden sollte, wie die letzten beiden Jahre, dann lasst euch gesagt sein Jungs: „Ihr müsst nicht perfekt sein! Glaubt immer an Euch selbst und gebt niemals Eure Träume auf!!! Für mich werdet ihr immer die Sieger sein, egal wie es läuft!!!“
Eure Sanne